Neuer "Lebensbaum"-Standort:

Herner Straße 5 (gegenüber der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche)

Öffnungszeiten:
Montags und donnerstags von 15:30 bis 17:30 Uhr

 
Kontakt

Patrick Bönki

Patrick Bönki, Sozialarbeiter

Am Neumarkt 34
Recklinghausen-Süd
Telefon: 02361 31302
E-Mail: patrick.boenki@skf-recklinghausen.de

Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Recklinghausen
Kemnastraße 7
Telefon: 02361 48598-0
E-Mail: skf-re@skf-recklinghausen.de

 
Recklinghausen, 18. Oktober 2011  

"Tafeln" im Spagat - Lebensmittelspenden und Suppenküchen eine "Erfolgsgeschichte"?

Vor kurzem veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit ermutigende Zahlen über den Rückgang der Arbeitslosigkeit. Dennoch mahnte das Deutsche Institut für Wirtschaft in Berlin noch Mitte des Jahres: "Kinder- und Jugendarmut ist nach wie vor das drängendste Problem". Auch ist der Anteil der armutsgefährdeten Bevölkerungsteile keineswegs gesunken, wie der erst in diesem Monat veröffentlichte Sozialbericht des Statistischen Bundesamtes verdeutlicht:

"Ausgaben des täglichen Lebens, die selbstverständlich erscheinen mögen, stellen für Armutsgefährdete häufig eine unüberwindliche finanzielle Hürde dar. (…) 2009 konnte sich nach eigener Einschätzung fast jede dritte (30 %) armutsgefährdete Person keine regelmäßigen Mahlzeiten mit Fleisch, Geflügel oder Fisch leisten, darunter mehr als ein Drittel der Alleinlebenden (37 %) und Personen in Haushalten von Alleinerziehenden (36 %)." Und: "Armutsgefährdung geht in der Regel mit einer signifikanten Einschränkung der Teilhabe am sozialen Leben (soziale Ausgrenzung) einher. Armutsgefährdete Menschen können sich weniger leisten und sie fühlen sich durch finanzielle Verpflichtungen stärker belastet als andere." (Zitat aus dem Sozialbereicht des Statistischen Bundesamtes vom Oktober 2011)

Vor diesem Hintergrund wundert auch die gleichbleibend hohe Zahl der Tafelkunden nicht. Allein im Stadtgebiet Recklinghausens sind aktuell ca. 1.100 Berechtigungskarten für die Nutzung der Recklinghäuser Tafel im Umlauf, die Alleinstehende mit und ohne Kinder, Paare und ganze Familien einmal pro Woche mit den notwendigsten Lebensmitteln versorgt. Aus der Gründungsidee der Tafeln, den Überfluss unserer Konsumgesellschaft in sinnvolle Wege zu leiten, ist die Verwaltung des Mangels für ganze Bevölkerungsschichten geworden.

Im täglichen Spagat zwischen der Notwendigkeit der Versorgung der Menschen mit dem Allernötigsten und der Absurdität einer Gesellschaft mit immer weiter zunehmenden Einkommensunterschieden jonglieren die vielen Helfer, Organisationen, Initiativen und Wohlfahrtsverbände mit dem, was sie als Spenden erhalten.

Was auf den ersten Blick als Erfolgsgeschichte daher kommt, offenbart so bei genauerem Hinschauen die politische und wirtschaftliche Brisanz der inzwischen verfestigten Situation: die prekäre Einkommenssituation Vieler sowie die Tatsache, dass ein gewisser Anteil der Bevölkerung nicht dauerhaft in den sogenannten "ersten Arbeitsmarkt" eingebunden werden kann. Vor diesem Hintergrund ist der Tafelgedanke inzwischen leider zu einem festen Bestandteil einer zivilgesellschaftlich engagierten Sozialfürsorge geworden.

Seit zwölf Jahren existiert nun die Recklinghäuser Tafel an zwei Standorten in der Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen e.V.. Viele Menschen fassen ehrenamtlich und ohne Scheu bei der nicht immer schönen Arbeit (z.B. bei der Aufbereitung und Sortierung der gespendeten Lebensmittel) mit an. Nun ist der Tafelstandort "Lebensbaum“ von der Kemnastraße zur Herner Straße umgezogen und führt sein Engagement um gerechte Verteilung und Teilhabe für Alle mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und den begleitenden Angeboten zur Sozialberatung durch Patrick Bönki (Sozialarbeiter des SkF) weiter.